Association for European Inland Navigation and Waterways

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Pressemitteilung zur Mitgliederversammlung 2014

Patricia Erb-Korn, KVVH GmbH

Patricia Erb-Korn wird neue Stellvertreterin des Präsidenten

VBW präsentiert neue Produkte und stellt Arbeitsprogramm 2015 vor

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Auf der VBW-Mitgliederversammlung am 5.11.2014 wurde Patricia Erb-Korn, Geschäftsführerin der Karlsruher Versorgungs- Verkehrs- und Hafen GmbH einstimmig zur Stellvertreterin des Präsidenten gewählt. Sie folgt auf Martin Staats, Geschäftsführer der MSG eG, Würzburg, der sich im Juli 2014 aus dem Präsidium zurückgezogen hatte.

Zentrales Thema der diesjährigen Mitgliederversammlung war die Präsentation der Arbeitsergebnisse der VBW Fachausschüsse. VBW Präsident Heinz-Josef Joeris lobte die Arbeit der vielen ehrenamtlich engagierten aus Unternehmen, Verwaltung, Forschung und Verbänden und dankte diesen ausdrücklich: „Neben Ihrer beruflichen Tätigkeit haben Sie ein umfangreiches Arbeitsprogramm erfolgreich abgearbeitet. Die Fertigstellung der vielfältigen und zahlreichen Projekte des Vereins wäre ohne dieses zusätzliche, kräftige Engagement nicht möglich gewesen.“

Kernprojekte des Vereins waren in 2014 unter Anderem:

Die Herausgabe einer Publikation „Schiffsführungssimulatoren in der Binnenschifffahrt“, welche Basiswissen zur Konstruktionsweise und den technischen Eigenschaften von Schiffsführungssimulatoren vermittelt sowie Anwendungsfelder in Aus-     und Weiterbildung, Infrastrukruplanung, Schifffbau und Unfallprävention beschreibt und Forderungen für die Weiterentwicklung der Technologie erhebt.

-  Die Erstellung einer Online-Dokumentation über „Technische Möglichkeiten zur Betriebskostensenkung von Binnenschiffen“. Mit dem in 2015 an den Start gehenden Online-Tool werden Schiffseigner die Möglichkeit bekommen, sich einzelne     bautechnische Maßnahmen und deren Wirksamkeit erklären zu lassen. Links zu einem Betriebskostenrechner und der europäischen Förderdatenbank ermöglichen tiefer gehende Einzelfallbetrachtungen zur individuellen Betriebskostenoptimierung.

- Die Überarbeitung der europäischen Schubbedingungen durch den VBW-Rechtsausschuss ist abgeschlossen. Die Schubbedingungen regeln Haftungstatbestände in einer Beziehung zwischen Schubboot und Schubleichter und können von Transportpartnern auf freiwilliger Basis vereinbart werden. Zurzeit laufen noch internationale Abstimmungsprozesse. Die Veröffentlichung wird Anfang Februar 2015 erfolgen.

- Mit der Studie „Landstrom in der Binnenschifffahrt“ hat der VBW eine umfassende Analyse vorgelegt, die Auskunft gibt über die ökologische Bilanz und die Kosten von Landstrom. Ebenfalls untersucht wurde die Landstromnutzung in Europa sowie die teils sehr unterschiedlichen Systeme. Die Studie ist als Leitfaden für  öffentliche und private Infrastrukturbetreiber gedacht und enthält Empfehlungen für die technische und betriebliche Gestaltung von Landstromanlagen und Bezahlsystemen.

- Darüber hinaus hat der VBW sein Veranstaltungsangebot ausgebaut. In 2014 fanden Thementage und Mittagsvorträge zu den Themen „Klimawandel und Wasserstraßen“, „Schleusenoptimierung“, Sonderproblemen des Haftungsrechtes im Containertransport, sowie „Binnenschifffahrt in der Logistik von Metropolregionen“ statt.

Vorgestellt wurde auch das Arbeitsprogramm für 2015. Besondere Schwerpunkte der Arbeit im kommenden Jahr werden sein:

- Die Beschleunigung von Infrastrukturbereitstellung durch Optimierung von Planungs- und Vergabeprozessen. Hierzu plant der Verein die Herausgabe von Empfehlungen sowie einem internationalen Vergleich von Good- and Bad-Practices bei Wasserbauprojekten sowie einer vergleichenden Studie der Planungs- und Vergabeprozesse in ausgewählten EU-Ländern.
Die Erarbeitung einer Marktübersicht über alternative Energie- und Antriebskonzepte für Binnenschiffe unter Auswertung der bisherigen Praxiserfahrungen mit diesen Systemen.

- Empfehlungen zur betrieblichen und technischen Gestaltung von Landstromeinrichtungen für die Fahrgastschifffahrt

- Eine bessere Integration der Binnenschifffahrt in logistische Ketten, zur besseren Erschließung neuer Güterstrukturen, durch IT- und Telematikprojekte sowie Prozessoptimierungen.


Pressemitteilung zum VBW-Bankett 2014

Dr. Karl-Hein Daehre

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Minister a.D., Dr. Karl-Heinz Daehre: „Infrastrukturmittel müssen dem Zugriff der Politik teilweise entzogen werden. Einnahmen aus dem Verkehr dürfen nicht länger für andere Begehrlichkeiten verwendet werden.“

„Großbaustelle Deutschland – Wege aus der Infrastrukturkrise“ hieß der Vortrag, den Verkehrsminister a.D. Dr. Karl-Heinz Daehre im vollbesetzen Saal des Hauses der Unternehmer vor Vertretern aus der Logistikwirtschaft, der Industrie, der Verwaltung, und der Forschung anlässlich des diesjährigen Banketts hielt, zu dem der Verein für europäische Binnenschifffahrt und Wasserstraßen e.V. eingeladen hatte.

Im Jahr 2012 kam die unter der Leitung von Herrn Dr. Daehre stehende Länderkommission zur Zukunft der Verkehrsinfrastrukturfinanzierung in ihrer Bewertung der bisherigen Investitionspolitik zu dem Schluss, dass „sich klar das Bild eines schleichenden und sich bereits beschleunigenden Substanzverzehrs abzeichnet“.

Die Daehre-Kommission bezifferte einen Nachholbedarf der Verkehrswegeinvestitionen auf 7,2 Mrd. Euro pro Jahr auf einen Zeitraum von 15 Jahren, bei Bund, Ländern und Kommunen. Bezogen auf den Bereich der Bundeswasserstraßen besteht ein ungedeckter, jährlicher Nachholdbedarf von 500 Millionen Euro.

Herr Dr. Daehre kritisierte den jahrelangen Substanzverzehr, vor allem die politisch motivierte Umverteilung von Mitteln für Erhalt und Betrieb in Neubauprojekte. „Jeder Euro der im Etat für den Erhalt fehlt, vernichtet zwei Euro an volkswirtschaftlichem Vermögen. Der Wirtschaftsstandort Deutschland und die Mobilität von Personen und Waren werden durch diesen Zustand massiv gefährdet“, machte Daehre deutlich. Deutschland liege bei den Bruttoinvestitionen in die Infrastruktur pro Prozent des BIP mittlerweile deutlich hinter Ländern wie Belgien, Spanien oder Italien.

Vor dem Hintergrund der hohen öffentlichen Verschuldung, die für den Bund 2 Billionen. Euro und für die Kommunen 133 Mrd. Euro beträgt, stelle die Instandsetzung der Verkehrsinfrastruktur eine Herkulesaufgabe dar, die durch die Aufnahme der so genannten „Schuldenbremse“ in das Grundgesetz zusätzlich erschwert werde.

Daehre plädiert für eine „solidarische Finanzierung“ der Infrastruktur. Diese müsse aus einer Anhebung des allgemeinen Verkehrshaushalts bestehen sowie weiteren Komponenten der Nutzerfinanzierung. Er forderte eine Zweckbindung eines Anteils der Einnahmen aus der Mineralölsteuer. Diese Zweckbindung sei seit 1964 gesetzlich geregelt, werde aber regelmäßig durch Parlamentsbeschlüsse ausgehebelt. Sinnvolle Komponenten der Nutzerfinanzierung seien aus Sicht Dr. Daehres eine Ausweitung der LKW-Maut auf weitere Lastenklassen ab 3,5 Tonnen sowie auf Busse. Außerdem schlägt er eine räumliche Erweiterung der LKW-Maut auf alle Bundestraßen vor. Die Einführung einer Infrastrukturabgabe, also einer PKW-Maut, hält Dr. Daehre für unumgänglich. Der aktuelle Vorschlag einer PKW-Maut nur für ausländische PKW hingegen sei völlig unzureichend, da die Erhebungskosten und der bürokratische Aufwand den finanziellen Nutzen bei weitem überstiegen. Mit Bezug auf seinen Vorschlag einer allgemeinen PKW-Maut sagte Daehre, dass er eine allgemeine Bereitschaft in der Bevölkerung erkenne, einen zusätzlichen Beitrag zur Infrastrukturfinanzierung zu leisten. Bereits eine Maut in Höhe eines Euros brächte beträchtliche Mehreinnahmen von 40 Mio. Euro pro Jahr. Um den notwendigen Deckungsgrad zu erhalten, erwartet Daehre jedoch eine jährliche Abgabe von 30-40 Euro pro Fahrzeug, je nach Leistungs- und Emissionsklasse.

Die aus diesem Maßnahmenpaket generierten Mehreinnahmen sollten einem zweckgebundenen Fonds zufließen. Dem Fonds müssten gesetzlich und organisatorisch Aufgaben und Verantwortungen für die Infrastrukturfinanzierung zugewiesen werden. Essentiell sei, dass die Überjährigkeit der Mittel gewährleistet sei. Auch eine stärkere Beteiligung privater Investoren werde so besser möglich. Um für diese Maßnahmen Rückendeckung durch die Bevölkerung zu erhalten, bedürfe es maximaler Transparenz und klarer Regeln. „Wir müssen die so generierten Mehreinnahmen dem Zugriff der Politik entziehen. Sie dürfen nicht für andere Begehrlichkeiten, z.B. der Sozialpolitiker, verwendet werden. Das wäre Abzocke“, spitzte Daehre zu.

Abgaben für die Binnenschifffahrt auf den großen Flüssen erteilte der Minister a.D. eine klare Absage. „An der Mannheimer Akte ist nicht zu rütteln. Für eine Abgabenerhebung auf Rhein und Donau, gibt es in Europa keine Mehrheit“. Auch eine Erhöhung der Kanalabgaben sei aus seiner Sicht nicht förderlich, da sie nicht zu signifikanten Mehreinnahmen, wohl aber zu einer deutlichen Verteuerung des umweltfreundlichen Binnenschiffstransportes führe. Neben der Erhöhung der Mittel gehe es aber auch darum, Einsparpotenziale zu heben.

Einen äußerst wichtigen Beitrag würde aus Sicht Daehres eine Neugestaltung der Planungs- und Vergabeprozesse leisten. „Es kann nicht sein, dass die Prozesskosten mittlerweile die Hälfte der gesamten Projektkosten ausmachen. Wir müssen die Prozesse so gestalten, dass alle rechtlichen Fragen mit Beginn des Planfeststellungsverfahrens unumstößlich geklärt sind“, erläuterte Dr. Daehre.

VBW-Präsident Heinz-Josef Joeris lobte den Redner für seinen Mut auch unpopuläre Themen anzusprechen und für die Ausgewogenheit seiner Vorschläge. Er appellierte an Politik und Verwaltung die gewonnenen Erkenntnisse zu nutzen und alles Notwendige dafür zu tun, damit diese eine reelle Chance auf Umsetzung erfahren.

VBW gibt Analysen und Empfehlungen zur Nutzung von Landstrom in der Binnenschifffahrt heraus

Die Publikation enthält Informationen zu ökologischen Effekten, Infrastrukturkosten sowie technische Empfehlungen zur Gestaltung von Landstromkästen, Liegestellen und Bezahlsystemen.

Anfang 2013 bildete der VBW-Fachausschuss „Binnenwasserstraßen und Häfen“ eine Arbeitsgruppe zur Durchführung eines umfangreichen Projekts zur Nutzung von Landstrom in der Güterbinnenschifffahrt.

Der Auftrag der Arbeitsgruppe war

• die Erarbeitung einer Analyse des ökologischen Nutzens und der Infrastrukturkosten für die Einrichtung von Landstromsystemen,

• die Erstellung einer Übersicht über die verschiedenen Landstromsysteme in Europa sowie deren regionale Verbreitung

• sowie die Erarbeitung von technischen Empfehlungen für eine ein-heitliche europäische Gestaltung von Landstromkästen, Liegestellen und Bezahlsystemen. 

Hierzu sichtete die Arbeitsgruppe zahlreiche Studien und offizielle Dokumente. Sie führte Interviews mit Schiffsführern, Hafen- und Infrastrukturbetreibern durch und nahm bei Vor-Ort-Terminen verschiedene Systeme in Augenschein. Darüber hinaus wurden mittels einer Fragebogen gestützten Umfrage Daten zur Landstromnutzung in Belgien, Deutschland, den Niederlanden, Österreich und der Schweiz erhoben.

Der Abschlussbericht dieser Arbeitsgruppe liegt nun vor.

„Wir haben es geschafft, praxisfähige Lösungen zu erarbeiten, die sowohl den Bedürfnissen des fahrenden Personals, als auch den Zielen der Häfen und der Verwaltung entsprechen“, so Heinz-Hermann Mecklenburg von der Berufsgenossenschaft Verkehr und Vorsitzender der Arbeitsgruppe.

„Der vorliegende Bericht ist eine hervorragende Orientierung für Häfen, Kommunen und Verwaltungen, die sich mit Landstrominfrastruktur befassen“, erklärt Michael Heinz, Leiter der GDWS -Außenstelle West-, Vorsitzender des Fachausschusses „Binnenwasserstraßen und Häfen“.

Die Publikation ist 16 Seiten lang und auf hier als Blätter-PDF allgemein verfügbar. VBW-Mitglieder können eine Druckfassung im Bereich Publikationen nach erfolgtem Login herunterladen.

Ergebnisse aus der Publikation kurz gefasst:

• Landstrom, der sich aus einem konventionellen Energiemix speist, hat gegenüber dem an Bord generierten Strom derzeit keine oder nur geringfügige ökologischen Vorteile. Dieses Verhältnis kann sich durch die zunehmende Stromgewinnung aus regenerativen Energiequellen verändern.

• Die Einrichtung eines flächendeckenden Netzes aus Stromtankstellen zieht hohe Investitionskosten nach sich, die sich wirtschaftlich nur mit flankierenden Maßnahmen der öffentlichen Hand darstellen lassen.

• Stromtankstellen können helfen, Lärm- und Geruchsemissionen in besiedelten Gebieten zu minimieren.

• Zurzeit existieren in Europa verschiedene Landstromsysteme, die sich in ihrer Leistungsfähigkeit als auch in der Gestaltung der Bezahlsysteme deutlich unterscheiden. Viele Liegestellen sind für moderne Schiffe und deren Strombedarf nicht oder nur unzureichend ausgelegt. Dieser Systempluralismus führt zu geringerer Akzeptanz der Schiffsführer.

• Der VBW plädiert für einheitliche europäische Standards. Stromtankstellen sollten zukünftig standardmäßig mit 63 A bei 400V ausgelegt sein. Ein leicht zu bedienendes, barrierearmes, bargeldloses Bezahlsystem sollte ebenfalls zum Standard gehören.

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